COHORS VII RAETORVM EQ
"Knochenarbeit"
Knochenschnitzen


Da ich selbst bei dem Versuch, nur annähernd an die Fähigkeiten unserer Brettchenweberin zu kommen, kläglich gescheitert bin, habe ich mir eine andere Tätigkeit antiken Handwerks gesucht, die nicht minder die Geduld und die Fertigkeiten fordert.

Als Widder ist man ja eigentlich nicht die Geduldigste, aber die Ergebnisse meines ersten Versuchs, aus einem Knochen eine Nähnadel zu fertigen, ermutigten mich. Bei der Wahl der Werkzeuge und mit dem nötigen "Know-how" half mir Dr. Andreas Vogel, Mitglied der COHORS IIII VINDELICORVM, bekannt unter dem Namen "Vindeliker".
Mein nächstes Objekt war dann auch direkt eine Haarnadel, mit einer verzierten Spitze.



COHORS VII RAETORVM EQ


VII
Geschichtliches


Die Funde von Knochen, Zahn, Horn und Geweih bieten einem einen guten Einblick in die handwerklichen Fähigkeiten der Vor- und Frühgeschichte und die kulturelle Entwicklung der Menschheit. Knochen halten sich je nach Bodenbeschaffenheit sehr lange und so ist es nicht verwunderlich das der erste "Kunstgegenstand" der je von Menschenhand geschaffen wurde aus Knochen hergestellt wurde.

Während man heute vom Tier bevorzugt nur noch Haut (Leder) und Fleisch nutzt, wurden Tiere bei unseren Vorfahren komplett als "Rohstoff" genutzt. Aus den Sehnen wurden Faden und Bogensehnen hergestellt. Fleisch, Blut und Mark wurden verzehrt. Aus Knochen, Horn und Zahn entstanden Gebrauchsgegenstände. Haut und Fell wurden für Kleidung und für Decken gebraucht.
Die Bedeutung der Knochen ist in erster Linie als Gebrauchsgegenstand nachzuweisen. Im älteren Jungpaläolithikum tauchen die ersten Funde von bearbeiteten Knochen auf. Die frühen Menschen folgten wandernden Tierherden und brauchten zur Jagd Waffen, die Tiere auf Distanz erlegten. Neben einfachen Messern kamen Pfeil und Bogen in Gebrauch. Die Bearbeitung der Beutetiere erfolgte mit einfachen, zum Teil aus Knochen hergestellten Werkzeugen, wie zum Beispiel Pfrieme und Knochennadel.
Diese Funde belegen die gezielte Herstellung von Kleidung seit Ende des Eiszeitalters. Aber auch Schmuckstücke und Kultgegenstände vervollständigen die Palette seit dem Erscheinen des Homo sapiens.
Tierfiguren aus Bein sind die ältesten vollplastischen Kunstwerke der Menschheit überhaupt. Dazu gehört eine Statuette in menschlicher Gestalt mit einem Raubtierkopf, die lt. C14-Analyse 32000 Jahre alt ist.
Zu den Gebrauchsgegenständen gehören auch die Funde von Werkzeugen, die zu Glättung vorgetrockneter Keramik dienten.
Einsatzbereich dieses Materials sind außerdem Pfeilspitzen und Angelhaken.

In der Bronze- und Eisenzeit (die Kelten kommen! ) wird das Material von den modernen Erfindungen verdrängt und wird nur noch da verwendet, wo die Vorzüge des Materials (bez. Elfenbein) überwiegen.
Die Mischung der Materialien kommt in Mode. So finden sich jetzt Gegenstände mit Einlegearbeiten aus Knochen. Auch Messergriffe aus Knochen stammen aus bereits diesen Epochen.
In der Antike wurde vermehrt wieder auf Knochen und Horn zugegriffen. In vielen Bereichen, militärisch, handwerklich, häuslich oder bei der persönlichen Ausrüstung finden sich Gegenstände aus Bein oder Horn.

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COHORS VII RAETORVM


Ohrlöffelchen,
persönliche Ausrüstung


Griffel zur Beschriftung der Wachstafeln

Auch heute findet man noch Gegenstände aus Knochen und Horn. Allerdings handelt es sich heute meist um " Kunstgewerbe" wie zum Beispiel Schachfiguren.

Zur Bearbeitung

Knochen und Horn sind bei der Bearbeitung nicht mit Holz sondern eher mit Metall vergleichbar. Deshalb sind gute Werkzeuge aus der Metallbearbeitung notwendig.
Auch in der Antike kannte man schon Hilfsmittel wie Feile, Bohrer und Drechsel. Funde und figürliche Darstellungen finden sich zahlreich.

Der Knochen muss im Gegensatz zum Horn vor der Bearbeitung entfettet werden.
Da ich ein praktisch denkender Mensch bin, bereite ich erst mal eine Suppe aus meinen Rohlingen. Der Größe wegen benutze ich gerne die Oberschenkel vom Rind, die man z.B. in Scheiben beim Metzger erhält. Am Stück (mit abgetrennten Gelenkstücken) kommt man schlechter an das Objekt der Begierde. Leider ist die Herausgabe aus Schlachthöfen in Deutschland unterbunden worden.
Wenn die Suppe dann verzehrt ist, und die Knochen ihr Fett weitestgehend losgeworden sind, setze ich die Knochen abermals auf den Herd und füge einen Fettlöser zu (bevorzugt Spüli).
Ich habe aber auch schon mit anderen Hilfsmitteln experimentiert, das Ergebnis ist aber immer relativ gleich.
Vorsicht, der Geruch ist nix für schwache Nerven! Der Grad der Entfettung richtet sich nach dem, was man aus dem Knochen fertigen möchte. Je mehr der Knochen entfettet ist, desto spröder wird der Knochen.
Nachdem der Knochen getrocknet ist, beginne ich mit der Bearbeitung. Zuerst säge ich mir ein passendes Stück aus dem Knochen heraus. Für die Knochennadeln bereite ich mir einen etwa 50mm breiten Abschnitt.



Zuerst mache ich den unteren Teil der Nadel:



Dann kommt der spannendere Teil, die Verzierung am Kopfende:



Zum Schluss poliere ich das fertige Stück und es erhält seinen Glanz, das einen vergessen lässt, dass es sich um nur um "Bein" handelt. Es glänzt dann wie Elfenbein.

Da sich alle Knochen (nur eine Frage der Größe) bearbeiten lassen, ist der Vorteil von Elfenbein nur die Materialstärke.


Rohlinge

Erstellt von Birgit Greib-Esser









Es gibt div. Quellen,
besonders erwähnen
möchte ich die
Saalburg-Schriften 1996, Knochenarbeit
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