Lehm / LVTVM
Lehm war der erste Baustoff der Menschheit in Erdgruben,
die vor Wind und Wetter schützten. Durch alle Menschenzeiten
zieht sich Lehm als Baustoff für Häuser.
Lehm war indogermanisches und keltisches sowie auch römisches,
bzw. provinzialrömisches Baumaterial.
Als unter Caesar die Römer durch Gallien bis an den Rhein vorstießen,
fanden sie keltische Häuser in Städten, OPPIDÆ,
in kleineren Siedlungen und Weilern vor.
Die keltischen Gebäude aus Holzpfosten und Lehmgefachen gebaut, wurden mit
römischen Extras modifiziert übernommen und weitergebaut. Caesar spricht von
Holz Erde Kastellen.
Die erste Generation römischer Städte, VICI und Weiler wurden in Holz/Erde
also Fachwerk gebaut, sowie alle möglichen Gebäudetypen wie Streifenhäuser,
VILLÆ oder MANSIONES.
Ausnahmen waren repräsentative Gebäude wie Foren, Tempel oder technische
Gebäude, diese wurden in Stein gemauert.
Das deutsche Wort Wand kommt von winden.
Staaken oft aus Eiche wurden in die tragenden Holzbalken mit Abstand gekeilt.
Ruten aus Weide oder Haselnuss wurden um die Staaken herumgewunden. Dieses
Gitter wurde mit einem aufbereiteten Gemisch aus Lehm und Stroh gefüllt.
Nach einer Trocknungsphase wurde als Abschluß ein weiterer Lehmputz, eine
Kalktünche, oder ein Kalkputz aufgetragen.
In manchem Fachwerk wurden großformatige Ziegelplatten an Decken und Wände mit
Eisennägeln befestigt um die Wandflächen zu stabilisieren und um einen guten
Kalkputzträger zu erhalten.
Die Antiken Völker wie Römer bzw. romanisierte Kelten oder Germanen mochten es
gerne bunt. So wurde in mehren Schichten Kalkputz mit verschiedenen Zuschlägen
aufgetragen, um eine möglichst glatte Oberfläche zu erhalten. Diese diente dann
dem Maler als Malgrund, um mit Pigmenten in Freskotechnik farbige Wandflächen
zu gestalten.
Oft wurde einer farbigen Wand der Vorzug gegeben und auf einen festen Boden
verzichtet. Statt eines Mosaiks oder plattenbelegten Bodens gab es nur einen
gestampften Lehmboden.
Häuser ohne Holz, in gestampftem Lehm waren schon bekannt und wurden in
römischer Zeit hergestellt. In Steingebäuden wurden Innenwände mit Stampflehm
ausgestattet; falsche Gewölbe wurden mit Holz und Erde gebaut.
Im zweiten Jahrhundert wurden mit aufkommendem Wohlstand viele Lehmgebäude
durch Steinbauten ersetzt. Mit dem Niedergang des römischen Reiches im dritten
und vierten Jahrhundert verlor sich die Steinbautechnik und der Fachwerkbau
gewann an Bedeutung.
Bis in das zwanzigste Jahrhundert war Fachwerk mit regionalen unterschieden
die vorherrschende Bauweise. Industrielle Baustoffe haben dann ab dem
neunzehnten Jahrhundert das altbewährte Baumaterial verdrängt. Nur bei
Materialknappheit nach den Weltkriegen wurde nochmals das Bauen mit Lehm
heraufbeschworen. Lehm wird heute in der Denkmalpflege favorisiert und ist
unter ökologischen Gesichtspunkten wieder hoch aktuell, da er antiseptisch
wirkt, Strahlung absorbiert und ein optimales Raumklima gewährleistet.
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