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LAPIS SECTILIS
Seit die Menschen Häuser bauen, benötigen sie ein Dach über dem Kopf.
Sturm-, schnee- und regenfest soll eine Bedachung sein,
im Idealfall auch feuerfest.
Das galt bei den Römern genauso wie heute. Waren die meisten Häuser und
Katen in der Antike mit Reet oder Stroh gedeckt, reagierten die Römer
387 v.u.Z., nachdem ein Keltenfürst namens Brennus ihre Unterstadt
niedergebrannt hatte, mit Tonziegeln, den TEGVLĘ oder IMBRICES,
einer feuerfesten Bedachung, griechischen Ursprungs.
Regional unterschieden gab es aber in den gallischen bzw. provinzialrömischen
Gebieten durchaus auch gleichwertige Bedachungsmaterialien aus der Natur wie
Gneis oder Schiefer.
Ob die Römer mit ihren Bergbauspezialisten den Schieferbruch und somit das
Schieferdach erschlossen haben oder die Schieferdeckung gallische, d.h.
keltische Tradition besitzt, verschwindet in der archäologischen nicht
erforschten Ungewissheit.
Grabungsbefunde einer kleinen VILLA RVSTICA in Sotzweiler im Saarland
förderten quadratische Schieferplatten zutage. Diese waren vermutlich auf
einem Laubengang, PRTICVS, mit einem mäßig geneigten Dachstuhl eingedeckt,
da die Platten keine Lochung aufweisen.
Weitaus häufiger, im heutigen Rheinland-Pfalz, Saarland und Umgebung,
fördern Funde sechseckige Platten mit genau einem Nagelloch zutage.
Diese sind auch für steilere Dächer geeignet.
Bekannt ist auch Schiefer als Steinbildwerk aus der Antike in hausförmigen
Sarkophagen oder turmartigen Pfeilerdenkmäler. So z.B. Ein Grabmal eines
Secundiers aus Igel bei Trier. Hier sind auf einem gewalmten Turmdach
geschuppte Platten dargestellt.
Aus Neumagen kommt ein Iphigenienpfeiler mit einer Schieferdarstellung.
Wurden im ganzen Römischen Reich Sarkophage mit TEGVLĘ dargestellt,
fällt auf, daß im Raum der Stämme der Treverer und Mediomatriker,
die die Schiefergebirge bewohnten; immer wieder Schieferdeckungen zur
Darstellung der Sarkophagdeckel heranzogen wurde.
Schiefer wurden in der Antike in Tagebrüchen abgebaut. Da die Schieferblöcke
keine Bergfeuchte mehr besitzen, die man zum leichten Spalten dringend
benötigt, wurden die gebrochenen Blöcke über Winter hochkant aufgestellt.
Das bewirkt, daß Wasser und Frost in die einzelnen Schieferlagen eindringt
und dadurch der Block leichter Spaltbar wird.
Das römische Format stellt eine sechskantige Platte dar, 1,5 bis 2 cm
stark gespalten, die heute noch in halber Plattenstärke produziert als
Spitzwinkelschablone benannt wird.
Als Unterkonstruktion der Schieferdeckung lassen sich gerissene
Buchenbretter andenken, wie sie aus der frühen Neuzeit noch bekannt sind.
Vielleicht nur als Sparschalung eingebaut dienten diese als Tragholz für
die Platten, die mit nur mit einem Eisennagel pro Platte befestigt wurden.
Funde auf dem Katzenberg, einer spätantiken römische Höhenfestung bei Mayen,
weichen von allen Plattenfunden stark ab. Die Schieferplatten nehmen in
Ihrer Stärke und Format eine vielleicht mittelalterliche Form vorweg,
die Altdeutsche Deckung.
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